Die Kraniche ziehen
Liebe im Zeichen des großen Freiheitskampfes gegen die braune Plage aus dem Westen: das dies ein denkbar ungeeigneter Zeitpunkt für Vergnügungen und neckische Liebeleien ist, bekommen unsere beiden Turteltäubchen recht schnell zu spüren. Aus für den Zuschauer schwerlich nachvollziehbaren Gründen beschließt der Techniker Boris (Alexei Batalow), sich freiwillig der RKKA – also der Roten Armee – anzuschließen. Er verlässt seine hübsche Freundin Veronika (Tatjana Samoliowa) ohne größere Anzeichen von Reue. Damit beginnt ein vermeidbar gewesenes Übel: für Boris im Krieg, für Veronika in der bedrohten Heimat. Der Sowjetfilm, der weltweit Anerkennung fand, besticht vor allem durch die virtuosen, verspielten Kamerafahrten von Sergei Urussewski: der erstmalige Einsatz von Handkamera war seinerzeit bahnbrechend und sorgt für intensive, aufwühlende Szenen. Etwa wenn Boris’ zurückgebliebener Bruder sich einmal während eines schweren Bombenangriffs an Veronika heranschmeißt und sich im Blitzlichtgewitter der einschlagenden Geschosse ein wildes Spiel von Zu- und Abneigung entspinnt.
Durch diese starken Bildern, die aber zu keinem Zeitpunkt überladen wirken, schafft Regisseur Michail Kalatosow es in “Die Kraniche ziehen”, die großen Menschheitsthemen Liebe und Krieg in ein würdiges Gewand zu kleiden. Dass man sich dabei stark der Ästhetik des europäischen Kinos bedient, war dem großen internationalen Erfolg sicher zusätzlich förderlich. 1958 wurde der Film in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet.
Zusätzliche Informationen zum Film
Originaltitel: Letyat zhuravli Land: Sowjetunion Jahr: 1957 Regie: Mikhail Kalatozov Darsteller: Tatyana Samojlova, Aleksey BatalovWeitere Infos: IMDB, Amazon
Redaktion:










[...] den Ausschluss aus der Gemeinschaft bedeutet – und somit den sicheren Tod. Michail Kalatozov (”Die Kraniche ziehen”) hat mit diesem Stummfilm von 1930 ein alles andere als leicht zugängliches Werk geschaffen. Fast [...]