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Barfuß durch Hiroshima

Mittwoch, 28. Juli 2010 · Autor: Reiskorn

barfuss_durch_hiroshima_scene“Barfuß durch Hiroshima” basiert auf den wahren Erlebnissen des Autors der Mangavorlage, Keiji Nakazawa. Dieser verlor seinen Vater, seine ältere Schwester und seinen jüngeren Bruder beim Abwurf der ersten Atombombe am 6.8.1945. Manga und dieser Animefilm erzählen vom Überleben in der Stadt nach dem Unglück. Stellenweise flankiert von einem Kommentar, der einige historische Fakten als auch Wirkungsweise der Atombombe erläutert, findet der Film ungeschönte und teilweise sehr drastische Bilder in der Darstellung des Leids, die schockieren, und stellt sich dabei gekonnt der Hausforderung, zu zeigen, was vielleicht nicht so ohne weiteres zeigbar ist. Inhaltlich wird einem also sehr schwerer Tobak geboten, der vielleicht auch noch besser funktionieren würde, wären da nicht einige Kleinigkeiten: Der Zeichenstil ist durchaus gewöhnungsbedürftig und nimmt teilweise comichafte Karikaturzüge an bzw. macht stellenweise deutlich, dass man u.a. auch Kinder mit ansprechen will (um sie vermutlich auch über dieses Ereignis aufzuklären). Auf diese Weise entsteht aber ein teilweise deutlicher Bruch mit der ernsthaften Thematik. Dazu kommen der unglaublich naive Mut und Optimismus des jungen Hauptprotagonisten. Es mag seiner Kindlichkeit geschuldet sein und einem bis zu einem gewissen Grade vorhandenen Unvermögen, den Ernst der Lage in seiner Gänze zu begreifen, weshalb sein Verhalten nachvollziehbar sein kann. Doch die immer wieder aufkeimende Fröhlichkeit und die Zuversicht nehmen dem Film viel von seiner Schwere und dadurch auch einiges von seiner Intensität. Ferner ließe sich vielleicht auch die Beharrlichkeit und Stärke des japanischen Volkes, inmitten des Chaos, hineininterpretieren, doch vielleicht geht das etwas zu weit. Ein weiteres, teilweise technisches Problem stellt die japanische Synchro dar: Gerade die Stimmen der kleinen Jungen im Film sind permanent am Anschlag und stets an der Grenze zum Schreien, was vielleicht typisch japanisch sein mag, in Verbindung jedoch mit einer leichten Übersteuerung des Tons alsbald unglaublich penetrant und nervig wird (und ich habe schon viel auf japanisch gesehen, aber so etwas habe ich noch nicht gehört). Und auch die Inszenierung selbst kann einen gewissen deutlichen Kitsch nicht leugnen. Da haben es “Die letzten Glühwürmchen” mit weitaus schönerem Zeichenstil und leiserem, wie ernsthafteren Erzählton besser vorgemacht. “Barfuß durch Hiroshima” mag schon aufgrund seiner Thematik ein ungemein wichtiger Film sein, den man schon alleine wegen der grausamen Sequenz des Bombenabwurfes und der unmittelbaren Folgen danach mal sehen sollte, doch sollte man vorsichtig sein per se einfach in den “Meisterwerk”-kanon mit einzustimmen. barfuss_durch_hiroshima_coverManchmal kann einem schon das Gefühl packen, dass etwas für gut und wichtig deklariert wird, nur weil es sich einer bestimmten Thematik annimmt. Doch aufgrund obiger, aus sehr subjektiver Sicht so empfundener formaler Kritikpunkte sei es “Barfuß durch Hiroshima”, zumindest in seiner Gänze, eher verwehrt.

Zusätzliche Informationen zum Film

Originaltitel: Hadashi no Gen Land: Japan Jahr: 1983 Regie: Mamoru Shinzaki Weitere Infos: IMDB, Amazon

Redaktion:
★★★★★★★☆☆☆ 

VN:F [1.9.2_1090]
Leser: 9.0/10 (2 Bewertungen eingegangen)
Barfuß durch Hiroshima, 9.0 out of 10 based on 2 ratings

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