Andrei Rubljow
Es ist kein Zufall, dass Tarkowski hier ausgerechnet einem Ikonenmaler durch die Wirrnisse des spätmittelalterlichen Russland folgt, weil in den Filmen dieses tiefsinnigen Regisseurs überhaupt nie irgendetwas grundlos geschieht. Wie die Ikone als priesterlich geweihtes Kultbild das Heilige ins Profane einschreibt, so versucht Andrei Rubljow Humanität in einer gänzlich inhumanen Zeit zu stiften. In Kapitel unterteilt, entfaltet der Film das Panorama eines geschundenen Landes, in dem Hunger, Armut und religiöser Fanatismus grassieren, Fürstenwillkür herrscht, tatarische Reiterhorden die Dörfer mit Feuer und Schwert überziehen. Rubljow tritt als dunkel sinnierender Wanderer auf, dem der Glauben an die Menschen und die Hoffnung auf einen rettenden Gott endgültig zu entgleiten drohen. Er verschließt sich: stellt schlicht alles in Frage, malt nicht mehr, legt ein Schweigegelübde ab. Erst als er einen jugendlichen Glockengießer trifft, der in barschem Kommandoton eine schmutzstarrende Arbeiterschar zur Eile antreibt, erst als er die Freude sieht, die dessen gelungenes Werk unter dem Volk auslöst, schöpft er neuen Lebensmut. Tarkowski beschließt seinen zwischen Epochenporträt, Lebensbild und philosophischer Grübelei
oszillierenden Film mit einer der schönsten Sequenzen seines gesamten Schaffens. Minutenlang streicht die Kamera, jetzt in Color, über Ikonengemälde Rubljows –
tastet prangende Farben, Risse und Craqueluren auf sanftblickenden Heiligengeschichtern ab. Welche Tragödien, Ängste, Dunkelheiten, vor allem aber Hoffnungen hinter diesen Pinselstrichen stecken, davon erzählt dieser Film auf meisterhafte Weise.
Zusätzliche Informationen zum Film
Originaltitel: Andrey Rublyov Land: Sowjetunion Jahr: 1966 Regie: Andrej Tarkowski Darsteller: Anatoli Solonitsyn, Ivan Lapikov Nikolai Grinko Weitere Infos: IMDB, Amazon
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